
Wir sind vor einigen Monaten umgezogen, für uns ein großes Projekt. Wir haben uns stark verkleinert und mussten entrümpeln und verkaufen. Viel zu tun, viel zu bedenken und vielfach musste man darauf warten, das etwas verkauft wird. Die Renovierung des neuen Hauses hieß warten auf Angebote, Termine und Fertigstellung. Das Alte und das neue Haus stehen auf Kirchenland. Und da fängt die Warterei erst richtig an. Bis zum Abschluss der Verträge und erst recht bis zum Eigentumsübergang und dem Zahlungseingang vergingen Wochen und Monate.
Mit all dem saß ich im Wartezimmer des Lebens
Während ich wartete dachte ich über die einzelnen Aufgaben, Aufträgen und Projekte immer wieder nach. Ich fragte mich, ob es klappt, was ich hätte anders machen sollen oder müssen. Ich war nur noch in Gedanken. Alles kreiste um meine kleinen und großen Probleme. Dazu kommt, dass ich keinerlei Geduld habe, von der ich wüsste. Verzögerungen, ausbleibende Ergebnisse oder Unzuverlässigkeit machten mich wahnsinnig.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich gar nicht mehr da bin, in meinem Leben,
das ich keine oder wenig Energie hatte für die Dinge die mich erfüllen und glücklich machen. Das ich erschöpft war ohne überhaupt irgendwas sinnvolles gemacht zu haben. Das ich nichts mehr wirklich für mich tue und wenn ich etwas tat, wie Fahrrad fahren, war ich auch nur im Kopf.
Das zu bemerken war schon mal gut, aber wie kommt man da raus. Darauf zu WARTEN das alle Projekte fertig sind, stellte sich als keine sinnvolle Lösung heraus.
Ich machte mir klar, dass es keinen Sinn macht am Gras zu ziehen, damit es schneller wächst. Es macht auch keinen Sinn 50-mal am Tag auf seinen zahlreichen Geräten nachzuschauen ob jetzt endlich der Termin, die Unterlage oder was auch immer angekommen sind. Natürlich muss man in solchen Projekten hin und wieder jemanden anstoßen oder auch mal massiv auftreten, wenn sich etwas grundlos verzögert. Aber all die kreisenden Gedanken sind reine Energieverschwendung.
Die Lösung, sich zurück ins hier und jetzt „zu meditieren“, funktionierte irgendwie auch nicht, weil die vielen Gedanken nach wenigen Minuten wieder da waren und ich wieder in meinem Gedankenkarussell saß.
Ich musste feststellen das mir Zuversicht und Vertrauen fehlte.
Ich war wieder der alte Kontrollfreak, der ich früher war. Hier musste ich erst mal ansetzen. Die Kontrolle abgeben und die Zuversicht wiederfinden war ein sinnvoller erster Schritt.
Aber alles laufen lassen war auch nicht unbedingt ratsam. Irgendwie ging es ja auch immer um das knappe Gut: GELD!
Die Lösung war, den offenen Dingen eine sinnvolle Frist zu geben und sie bis dahin laufen zu lassen. Ein Impuls den ich vor einiger Zeit schon dankbar angenommen habe. Jedes neue ToDo, jeder noch nicht fertig gestellte Auftrag bekommt eine Frist und wird bis zum Ablauf der Frist nicht mehr angeschaut. Und Finger weg vom Handy – soweit es geht. Bei den vielen offenen Punkten brauchte es eine Liste, damit nichts durchfällt. Aber ich musste mich auch zusammenreißen diese nicht täglich anzuschauen umzuformatieren, neu zu schreiben oder was meinem Hirn sonst noch einfallen könnte. Wenn die Frist abgelaufen ist konnte ich immer noch auf Füße oder anderswohin treten um die Sache wieder ans laufen zu kriegen.
Klingt einfach, ist es aber nicht!
Dafür braucht es verdammt viel Disziplin und das mit dem „Kontrolle abgeben“ ist verdammt schwer.
Was mir geholfen hat war raus zu gehen und schöne Dinge zu tun. Am besten mit Menschen, die einem wichtig sind und mit denen man sich austauschen kann. Nicht über die Probleme, sondern über das Leben.
Leider habe ich viel zu lange im Wartezimmer des Lebens gesessen und es nicht gemerkt. Wie dem auch sei: Jetzt bin ich dabei mir mein Leben und meine Lebensfreude wieder zurückzuerobern.
Also falls Dir das bekannt vorkommt, ist es jetzt Zeit etwas zu ändern.